Rückblick: JuPo trifft Markus Stockhausen

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Komponist Markus Stockhausen und der Landesjugendposaunenchor

Festliche Musik zum Advent mit einer Welt-Uraufführung

Da staunte ich nicht schlecht, als mich LPW Jörg Häusler anrief und fragte, ob ich Gastgeber für ein adventliches Konzert mit dem Landesjugendposaunenchor Rheinland wollte. Dazu sollte es auch die Uraufführung eines Werkes von Markus Stockhausen geben - mit ihm selbst als Solisten. Das ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen und stimmte sofort begeistert zu. Und so füllte sich am Vorabend des 3. Advents die Neuwieder Marktkirche mit vielen erwartungsvollen Besuchern, die ein abwechslungsreiches Konzert auf allerhöchstem Niveau hörten, das genauso gut auch in der Berliner Philharmonie oder im goldenen Saal des Wiener Musikvereins hätte stattfinden können.

Die Aufführung wurde den hohen Erwartungen gerecht. Die jungen Bläser bereiteten das Glanzlicht mit mehreren Stücken unterschiedlicher Epochen vor. Nach dem „Te Deum“ des barocken Komponisten Michel Delalande folgten ausschließlich zeitgenössische Werke von Thomas Albus, Dieter Wendel und Christian Sprenger, die alle harmonisch sehr reizvolle Wendungen boten. Dabei wechselten meditative und schwungvolle Passagen ab – alles brillant und mit großer Spielfreude vorgetragen. Magdalene Schauss-Flakes „Variationen über ein Thema von Dvorak“ ging dann wieder in eine etwas frühere Zeit zurück, in der sprödere Klänge die übliche Kompositionssprache waren.

Als Höhepunkt des Abends folgte nun die Uraufführung des Werkes, das dem Konzert seinen Titel lieh: „Unter Sternen und Satelliten“ von Markus Stockhausen. Es ist immer etwas Besonderes, einer Uraufführung beizuwohnen, also ein Werk zu hören, das noch niemand auf der Welt gehört hat – außer natürlich die Musiker, die es geprobt haben und aufführen. Darüber hinaus ist es auch immer etwas Besonderes, wenn ein Werk vom eigenen Komponisten gespielt wird; also nicht interpretiert und durch den Geschmack eines anderen Interpreten beeinflusst, sondern unverfälscht, quasi pur. In diesem Konzert kamen beide Dinge zusammen: Das Publikum erlebte die Welt-Uraufführung eines neuen Werkes unter der Mitwirkung seines eigenen Komponisten. Der Name Markus Stockhausen ist nicht nur Jazz-Fans vertraut. Er hat sich in fast allen Bereichen der Musik als Trompeter und als Komponist hervorgetan – und zwar international. Schon beim Kölner Kirchentag im Jahr 2007 gab es eine Zusammenarbeit zwischen ihm und dem Posaunenwerk der Evangelischen Kirche im Rheinland

Die Inspiration für „Unter Sternen und Satelliten“ kam Stockhausen durch die Vielzahl an kleinen Kommunikationssatelliten, die in den vergangenen Jahren in die Erdumlaufbahn gebracht wurden; eine Entwicklung, der der Musiker skeptisch gegenübersteht. Stockhausens Trompetespiel glänzte nicht nur durch technische Perfektion, sondern durch emotionale Tiefe und eine breite Palette an Klangfarben. Man konnte die enge Verbindung zwischen ihm als Solisten und KMD Jörg Häusler als Dirigenten förmlich mit den Händen greifen. Dieser wiederum führte das ganze Bläserensemble mit präzisem und mitreißendem Dirigat souverän durch den Abend.

Das Werk selbst ist eine Auftragskomposition der Evangelischen Kirche im Rheinland. Es gleicht einer Fantasie, in der schnelle Läufe, krachende Akkorde und mystische Passagen abwechseln. Einflüsse von Avantgarde und Jazz sind dabei unverkennbar. Der Schluss ist mitreißend und fulminant. Da hielt es das Publikum nicht mehr auf den Plätzen. Es bedankte sich mit lang anhaltendem Applaus und erklatschte sich als Zugabe eine Wiederholung des Schlussteils dieses Werkes. Ein großer Abend, der noch lange in Erinnerung bleiben wird.

von KMD Thomas Schmidt (Kantor der Marktkirche Neuwied)