Rückblick: Kompnistenportrait mit Jens Uhlenhoff

Vorstellung: Eike Klein
Rheinklang

Rückblick: Kompnistenportrait mit Jens Uhlenhoff

„Jede schöne Stelle in einem Stück klingt nur so gut, wie sie vorbereitet ist.“ Diese Anmerkung von Jens Uhlenhoff hörten wir mehrfach am Tag des Workshops. Auch im übertragenen Sinne auf die Veranstaltung durften wir die Wahrheit des Satzes beim Komponistenportrait in Dinslaken erleben: Gute Vorbereitungen durch alle Mitarbeitenden, klare Regeln (2G+ und die ständige Beobachtung der Co2-Ampel, die den grünen Bereich während der gesamten Veranstaltung nicht verlassen hat) machten einen wirklich schönen Tag möglich. Über 70 Bläser und Bläserinnen waren angemeldet – und sind alle gekommen

Doch nun genug der Vorrede, denn die Schönheit der Musik wartet schon. Den Einstieg bildete das Choralvorspiel zu „Wir haben Gottes Spuren festgestellt“. Wir waren gut vorbereitet: Einblasen auch mit einer Tonleiter in der Tonart dorisch und Erklärungen von Jens Uhlenhoff, wie es zu dem Stück gekommen ist und was für ihn in den einzelnen Passagen passiert. Er erzählte von dem, was ihn inspiriert hat und wie es für ihn klingen muss. So ganz nebenher kam noch der Lerneffekt: Dorisch wird verwendet, wenn etwas mysteriös klingen soll. Das wird auch gern in der Filmmusik oder im Rock und Pop verwendet.

Und so ging es weiter. Zu jedem Stück gab es Erläuterungen: eine persönliche Erzählung zur Entstehung, Hinweise darauf, wie es klingen soll, Vorstellung der schwierigen Passagen. Dabei überzeugte Jens Uhlenhoffs freundliche und persönliche Ausstrahlung und Ansprache. Schon im nächsten Stück „Befehl du deine Wege“ war das spürbar. Die Frage, was man als Komponist mit einem Stück macht, wenn man der Meinung ist, dass es nichts gibt, das an schon bestehende Komposition drankommt, leitete die Erklärung zu den einzelnen Passagen ein. Die Musik erzählt von Zweifeln und Fragen, bis zu dem Punkt „Er wird wohl Wege finden“. Hoffnung und Vertrauen finden hier ihren Ausdruck.

Für mich persönlich waren diese Erläuterungen hilfreich, zum Teil sogar „faszinierend“. Nicht umsonst habe ich dieses Wort in Anführungszeichen gesetzt. Star-Treck-Fans erkennen sicherlich das Zitat des Mr. Spock aus Raumschiff Enterprise. Zitate auch aus anderen Musikstücken werden von Jens Uhlenhoff gern verwendet. In den „Fantasien über Bilder von Marc Chagall“ finden wir sie unter andrem im ersten Satz zur Arche Noah. Hier versteckt sich „Raindrops are falling on my head“. Bei der Opferung Isaaks wird „Wie soll ich Dich empfangen“ bzw. „O Haupt voll Blut und Wunden zitiert.

Und wenn ich schon beim Thema bin: Die Quizfrage „Wo ist ein Choral versteckt und wie heißt er?“ konnte allein von einer Kirchenmusikerin beantwortet werden

Am Nachmittag nahm die Suite zum Thema „Barmherzigkeit“ einen großen Raum ein. Vorgestellt wurden 3 Stücke, die Jens Uhlenhoff für den Bläsertag der Nordkirche zum Thema Integration und Migration komponiert hat. Mit biblischen Zitaten als Titel, mit unterschiedlichen musikalischen Stilrichtungen, die schließlich alle zusammen passen, wurde klar, was in einem weiteren Stück in Musik gefasst war: „Da ist Platz für Dich“.

Diesen Platz für uns konnten wir am Workshoptag finden. „Jeder und jede braucht für sich selbst einen Zugang zum Stück. Das ist wichtiger als viele andere technische Hinweise zum Spielen.“ Jens Uhlenhoff hat sicher viel dazu beigetragen. So kann das Fazit des Tages nur eines sein: „Es hat Spaß gemacht und gut getan, nach so langer Zeit wieder gemeinsam zu blasen.“ Vielleicht war dieser Tag ja auch eine Vorbereitung auf noch viele weitere schöne Gelegenheiten zum gemeinschaftlichen Musizieren. Ein großes Dankeschön an alle, die zu dem gelungenen Tag beigetragen haben.

von Sabine Gradke